Bergischer Naturschutzverein e.V. − Natur- und Umweltschutz in Ihrer Nachbarschaft

Der (Rheinisch-) Bergische Naturschutzverein

ist seit 1975 die Stimme des Naturschutzes im Bergischen Land. Ursprünglich entstanden aus einer Bürgerinitiative gegen den Bau der Autobahn A31 engagieren sich Ehrenamtler quer durch das Bergische Land für den Schutz von Natur und Landschaft.

Aktuell

Am Donnerstag, den 23.11.17 um 20 Uhr lädt der Bergische Naturschutzverein zu einem Vortrag zum Insektensterben in die Geschäftsstelle am Schmitzbüchel 2 in Overath Immekeppel ein. Der Wissenschaftler Dr. Martin Sorg ist maßgeblich an der aktuellen Studie zum massiven Rückgang von Fluginsekten beteiligt und wird über seine Forschungsergebnisse berichten. Interessierte sind herzlich eingeladen diesem Vortrag beizuwohnen.


Insektenverluste und deren Auswirkungen

A

„Dramatische Insektenverluste“ oder ähnlich lauten die Schlagzeilen in der deutschen und internationalen Presse. Über 27 Jahre hatten Mitglieder des entomologischen Vereins Krefeld mit einer von ihnen entwickelten standardisierten Methode die Biomasse der Fluginsekten vor allem in Naturschutzgebieten NRWs gemessen. So konnte zum ersten Mal quantitativ bestimmt werden, wie hoch die Verluste in diesem Zeitraum waren. Biomathematiker der Universität Nimwegen werteten die ermittelten Daten und Daten aus England weiter aus. Um 76 % ging die gewogene Biomasse zurück, in den Sommermonaten sogar um 82 %. Die Ursachen konnten nicht nachgewiesen werden. Klimaerwärmung, Biotopmanagement und -veränderung konnten als ins Gewicht fallende Ursachen von den Forschern ausgeschlossen werden. Die Ursachen müssen in weiteren Forschungen belegt werden.

Auch der Bergische Naturschutzverein beteilgte sich an den Forschungen, vor allem im Wahnbachtal. Mitglieder des Vereins haben an der gesamten Untersuchung mitgearbeitet.

Der Link zur Veröffentlichung:

http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0185809

B

Die Folgen

Hier einige kurze Stichworte dazu:

– Brauchen wir wirklich Insekten?

Insekten stehen im Zentrum von Lebensgemeinschaften, die Pflanzen, Bodenleben, Vögel und andere Tiere, auch Menschen umfassen. Die Insekten leben von Pflanzen und umgekehrt funktioniert Pflanzenleben nicht ohne sie.

Ohne Insekten sind die meisten Vögel, Pflanzen und Kleinsäuger zum Aussterben verurteilt – und wir vielleicht auch. 

– Funktionsverlust

In unserer üblichen Sichtweise betrachten wir Tiere, Pflanzen und andere Lebewesen immer vereinfacht als einzelne Arten. Das verstellt uns aber den Blick auf das wirkliche Leben der Natur und hindert uns, die Natur zu verstehen. Ein Beispiel: Alle Pflanzen leben mit Pilzen, Bakterien, Bodenlebewesen, Insekten und anderen Tieren in Lebensgemeinschaften, in denen sie untereinander verbunden und von einander abhängig sind.

Durch das Verschwinden einzelner Arten wird das Zusammenwirken in der Lebensgemeinschaft unmöglich. Die Lebensgemeinschaft zerfällt, ihre Funktion in der Natur erlischt.

Das führt zu sogenannten Kaskadeneffekten, in denen das Erlöschen einer Funktion das erlöschen mehrerer anderer Funktionen nach sich zieht.

Auch wir sind vom Funktionieren möglichst vieler Lebensgemeinschaften in der Natur abhängig, auch wenn wir es nicht unmittelbar sehen können. Sterben die Insekten oder andere Gruppen von Organismen aus, wird am Ende auch der Mensch nicht überleben können.

– Artenvielfalt (Biodiversität)

Alle Lebensgemeinschaften in der Natur erfüllen wichtige Funktionen für die Gesamtheit der Natur und die Grundlagen allen Lebens.

Je mehr Arten es gibt, um so mehr Funktionen kann die Natur erfüllen.

Je weniger Arten es gibt, um so bedrohter sind unsere Lebensgrundlagen.

– Verinselung

In einer naturfeindlichen Umgebung von Intensiv-Land-wirtschaft und Stangenwald-Forsten sind Naturschutzgebiete kleine Inseln, in denen viele Arten geschützt über-leben.

Die Isolation der Arten verhindert genetischen Austausch und lässt ihre genetische Vielfalt verarmen. Damit scheitert die ständige Anpassung an sich verändernde Umweltbedingungen.

Die Arten sind unter diesen Bedingungen langfristig nicht überlebensfähig, selbst wenn keine andern Faktoren sie beeinträchtigen würden.

C     

An diesen Verlusten sind vermutlich viele Faktoren beteiligt. Als unsere Städte im Smog der Industrialisierung versanken, schien uns die Landschaft draußen mit ihrer bäuerlichen Landwirtschaft noch als paradiesischen Natur – das Gegenteil zur Verseuchung unserer Umwelt. Es war aber eine Illusion, dass die Landwirtschaft von den Umwälzungen in den Produktions- und Lebensverhältnissen verschont bleiben würde. Augenfällig für uns sind die Veränderungen, die die heutige Landwirtschaft in unserer Landschaft hervorruft. Landwirtschaft ist nur ein Teil der gesamten Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft. Alle diese Veränderungen haben einen erheblichen Anteil an strukturellen Vor – oder Nachteilen für die Natur. Die Rahmenbedingungen, unter denen Landwirte, auch Bio-Landwirte, heute wirtschaften, sind von der Gesellschaft gesetzt, von der Politik, vom Handel und von der Industrie. Landwirte erzeugen heute unter diesen Vorgaben mit hoher Fachkenntnis und viel persönlichem Einsatz Lebensmittel in der Qualität und Menge, die die Gesellschaft verlangt. Dennoch oder gerade deswegen kann es kein Fehler sein, zu benennen, wie sich das auf die Natur auswirkt, ohne zu vergessen, dass andere Faktoren, wie Industrie, Energieerzeugung, Verkehr und Zersiedelung möglicherweise größeren Einfluss haben. Im folgenden eine kurze Übersicht in Stichworten, wo die heutige Landwirtschaft sich auf die Artenvielfalt negativ auswirkt. ohne ihren Einfluss auf den gegenwärtigen Artenverlust quantitativ benennen zu können. Manches davon scheint heute unverzichtbar, aber nicht alles. Landwirte sind die Fachleute, die benennen könnten, was kurzfristiger verändert werden könnte. Ohne finanziellen Ausgleich machen Änderungswünsche allerdings keinen Sinn. Auch die heutige Landwirtschaft hat positive Effekte auf die Natur, die nicht außer acht gelassen werden dürfen, z.B.dass die Landwirtschaft einen Hauptanteil an der Offenhaltung unserer Landschaft hat, eine wichtige Voraussetzung für Artenvielfalt.

Zur Entwicklung des Verhältnisses von Natur und Landwirtschaft

-Die heutige Artenvielfalt ist durch die Landwirtschaft entstanden

Der größte Teil unseres Naturraums bestand aus Wäldern, bevor wir Menschen mit Viehzucht und Ackerbau begonnen haben. Damit entstanden viele neue, je nach Untergrund und Feuchtigkeit unterschiedliche Offenland-Lebensräume: Weiden, Äcker, Wiesen, Raine, Steinsammelhaufen, Hecken, Waldränder, Ufersäume usw. Viele, auch viele neue Lebewesen, konnten sich in diesen neu geschaffenen Lebensräumen entfalten, entwickeln und ansiedeln.

– Markt und Landwirtschaft

Es ist noch nicht lange her, dass man bei uns der Überzeugung war, dass die Landwirtschaft keine Industrie ist und mit besonderen Regeln gefördert und geschützt werden muss. Abnahme- und Preis-Garantien ermöglichten den Landwirten ein angemessenes Einkommen ohne Zukunftssorgen. Heute sind sie dem „freien Markt“ ausgesetzt, der ihr Einkommen ohne jede Berücksichtigung ihrer Leistung und der notwendigen Investitionen bestimmt.

Die Folge ist eine „industrialisierte“ Landwirtschaft unter ständigem Druck, mehr zu produzieren und große Summen in Rationalisierung zu investieren, um mit weniger Mitarbeitern  immer mehr zu produzieren.

– Die Natur leidet unter der „modernen“ Landwirtschaft

Einige Beispiele:

– Die vielfache Silage-Mahd, bevor Pflanzen zum Blühen oder Aussamen kommen können, lässt auf allen Wiesen die Blütenpflanzen verschwinden.

– Der Einsatz systemischer Pestizide, die über die ganze Vegetationsdauer in Pflanzen vorhanden sind, führt zur Lebensunfähigkeit und damit mittelbar auch zum Tod nahezu aller Insektenarten.

– Die Umwandlung von vormals naturnahen Wiesen in Intensivgrünland, auf dem nur noch Weidelgrashybriden wachsen, vernichtet einen Großteil unserer Wiesen-pflanzen.

Übermäßiger Einsatz von Düngemitteln aus Tier-Intensivhaltung und von chemischen Düngemitteln führt zu einer Flutung der gesamten Natur und des Wassers mit Stickstoff- und Phosphat-Verbindungen. Bis zu 80 kg Stickstoff pro Hektar allein aus der Luft wurden schon gemessen.

– Flächenzusammenlegung zerstört das kleinteilige Mosaik unterschiedlicher Nutzungen und lässt die Rain- und Rand-Biotope verschwinden.

– Die Folgen „moderner“ Landwirtschaft

– 80 % Rückgang bei Fluginsekten wurden in Naturschutzgebieten gemessen

– 40 % Rückgang bei Vögeln

– 40 % der Pflanzenarten stehen in den Bundesländern auf den Roten Listen der bedrohten Arten, viele gibt es nur noch, weil sie in Naturschutzgebieten mit viel Aufwand am Leben erhalten werden

– noch viel größer ist vermutlich der Verlust bei den Kleinlebewesen im Boden, die entscheidenden Anteil an der Bodenbildung haben, so dass die anderen Lebewesen vom Boden und auf dem Boden leben können.

Die „industrialisierte“ Landwirtschaft macht nicht nur den Bauern das Leben schwer, sie zerstört die Lebensgrundlagen aller Lebewesen, am Ende auch unsere eigenen.

– Bio-Landwirtschaft                                                                     

Auch die Bio-Landwirtschaft leidet wie die konventionelle Landwirtschaft unter dem Druck, immer mehr Mengen zu produzieren, zu vergrößern, höhere Leistungen aus Flächen und Tieren herauszuholen, um am Markt überleben zu können.

Sie kann für uns und die Natur, zu der wir gehören, nur wertvoll sein, wenn sie auch naturnah wirtschaftet.

Das heißt, nicht nur

– der Verzicht auf Gifteinsatz und chemische Düngemittel,

sondern auch

– keine Silagewirtschaft, keine Hochleistungstierzucht und -haltung.

– Gibt es einen Ausweg?

Wir können die Natur nicht auf dem Rücken der Landwirte retten.

Das geht nur, wenn wir den Landwirten für naturfreundliches Wirtschaften ein Einkommen garantieren, das besser ist als das Einkommen aus einer naturzerstörenden Landwirtschaft.

Wir alle, unsere Gesellschaft, nicht der Landwirt, tragen die Verantwortung dafür, dass die Natur, unsere Lebensgrundlage zerstört wird.

Den Volltext der Vereinbarung können Sie von der Seite http://www.biostationoberberg.de/modellregion.html

herunterladen.

 


Wer will diesen Flächennutzungsplan? 4500 Einwendungen – das hat es noch nie gegeben!

Fast 4500 Einwendungen gegen den von der Stadtverwaltung in Bergisch Gladbach vorgelegten Entwurf eines neuen Flächennutzungsplans – so etwas hat es in dieser Massivität und Stärke im Bergischen Land noch nicht gegeben. Der (Rheinisch)-Bergische Naturschutzverein (RBN) hatte vor einem Jahr im Oktober 2016 eine 28 Seiten umfassende Stellungnahme zu diesem Entwurf abgegeben, sich darüber mit elf Bürgerinitiativen im Stadtgebiet ausgetauscht und mit ihnen zusammen Bürgerinnen und Bürger motiviert, zu öffentlichen Ausschusssitzungen zu kommen: Im einen Fall brachten wir 500 Menschen zusammen, die das Bürgerhaus Bergischer Löwe in Bergisch Gladbach füllten, bei einer weiteren Veranstaltung an einem Sonntag Nachmittag konnten wir um die 400 Leute für unsere Belange interessieren.

Was ist unsere Kritik? Wir bemängeln, dass die Stadtverwaltung mit dem von ihr beauftragten Planungsbüro aus Dortmund ein überdimensioniertes Bergisch Gladbach erreichen will mit über 120 000 Einwohnern und Gewerbeflächen, für die kein Bedarf da ist – es wird also nicht  nach der Nachfrage ausgerichtet, sondern eher als Angebot gestaltet. Das aber widerspricht dem auch im Baugesetzbuch verlangten sorgfältigen und sparsamen Umgang mit dem kostbaren Gut Boden, das nicht beliebig vermehrbar ist.

Deshalb haben wir scharf protestiert, dass angesichts dieser ambitionierten Expansion von Wohn- und Gewerbeflächen festgesetzte Landschaftsschutzgebiete gnadenlos in Anspruch genommen und wertvolle zum Königsforst gehörende Waldflächen geopfert werden sollen.

Bergisch Gladbach ist eine Stadt, die aufgrund der Nähe zur Rheinschiene mit der Metropole Köln für Pendler als Wohnort besonders attraktiv ist, zumal besonders im Osten und Süden des Stadtgebiets noch größere Freiflächen zur Verfügung stehen – die aber, und das ist die Crux, unter klimatischen und Naturschutzaspekten von höchster Bedeutung sind, etwa als Frischluftschneise, Kaltluftentstehungsgebiet, Trittsteinbiotop zwischen zwei Naturschutzgebieten, Naherholungsgebiet, Klimasenke.

Diese Flächen für gewerbliche Nutzungen oder als Wohnbaufläche zu nutzen, verbietet sich daher angesichts der zweifelhaften Voraussetzungen über den tatsächlichen Bedarf und der hochwertigen Bedeutung gerade auch aus klimatischen Gesichtspunkten.

Diese Bedenken aber sind absolut ausgeblendet in diesem Entwurf des Flächennutzungsplans, und das steht im krassen Widerspruch zur Aussage, hier einen Plan für die nächsten 20 bis 25 Jahre vorzulegen. Der Klimawandel aber ist ein so drängendes Problem, dass es nicht weitgehend ausgeklammert werden, sondern stattdessen vorrangiger als andere Fragen behandelt werden muss.

Da ist es auch nicht damit getan, für Einzelfragen auf den späteren Bebauungsplan zu verweisen und dabei klimatische Festsetzungen zu treffen.

Nein, das ist der falsche Weg: Ein Flächennutzungsplan muss Flächen festlegen, die als Klimasenken für eine Absenkung der Temperaturen sorgen können – Friedhöfe, Parks im Stadtinneren zusammen mit Dach- und Fassadenbegrünungen, große Freiflächen im weiteren Stadtbereich, die mit abgesenkten Temperaturen für insgesamt eine Abkühlung sorgen. Das ist die Zukunft, nicht Wachstum, Wachstum und noch mal Wachstum zu Lasten von Natur und Landschaft.

Deshalb fordern wir,

  • dass beispielsweise ein Stadtteil wie Herkenrath nicht zur Vorstadt entwickelt wird
  • dass in Spitzenzeiten überlastete Straßenzüge wie die L 289 von Spitze zur Autobahn A 4 keinen weiteren hausgemachten Verkehr aufnehmen muss
  • dass Wald als Bestandteil des Königsforsts nicht für Gewerbe gefällt wird
  • dass die Vorstellung, über den alten Bahndamm den Verkehr entlasten zu können, ad acta gelegt wird, da unsinnig und nicht durchführbar
  • dass im unmittelbaren Siedlungsumfeld gelegene Freiflächen aus Naherholungs- und klimatischen Gründen unbedingt beibehalten werden, etwa in Schildgen und Nußbaum.

Wir sind nicht gegen alles. Wir sind für Maß und Mitte – Zitat Armin Laschet


RBN für zweites S-Bahn-Gleis zwischen Köln und Bergisch Gladbach – Unter Wahrung der Naturschutzaspekte

Die Deutsche Bahn will die Strecke der S-Bahn 11 zwischen Köln-Dellbrück und Bergisch Gladbach auf zwei Gleise ausbauen. Der RBN begrüßt diese Planung und ist dankbar, von vornherein in die Überlegungen einbezogen worden zu sein: Denn die Trasse führt auf einer Länge von etwa 600 Metern durch das hochwertige Thielenbrucher Moor zwischen Dellbrück und Duckterath. Wir sind der Auffassung, dass das Ziel, einen wünschenswerten 10-Minuten-Takt für diese Verbindung zu erreichen, nicht gefährdet ist, wenn durch den Thielenbruch weiter nur auf einem Gleis gefahren wird. In Zeiten modernster Weichen- und Stellwerktechnik ist dieses möglich, zumal es nur um eine Distanz von zwei Minuten handelt. Hier muss sorgfältig abgewogen werden – und die Belange dieses europaweit bedeutsamen Naturschutzgebiets, das zum europäischen Naturerbe zählt, dürfen nicht beiseite geschoben werden. Flexibilität, Kreativität und Lösungsbereitschaft sind hier gefragt, auch von der Politik, die uns wegen unserer Haltung schon attackiert!


Hände weg von den Wiesen um Rappenhohn und im Sülztal bei Untereschbach

Die Stadt Overath in Gestalt ihrer Tochter Sego kauft gegenwärtig viel Land auf: Im Sülztal zwischen Untereschbach und Lehmbach überlegt sie, ein Gewerbegebiet zu setzen, als Lückenfüller zwischen den Sportstätten von Untereschbach und der ehemaligen Heizungsfabrik Fröhlich. Dumm nur, dass hier bei Hochwasser große Teile der Wiese volllaufen und mit Gebäuden die Sülzaue ihren wertvollen Beitrag zum Luftaustausch angesichts des Klimawandels nicht mehr erfüllen kann. Unabhängig davon, dass es sich hier um ein stark frequentiertes Naherholungsgebiet handelt. Hinzu kommt, dass in diesem Bereich eine großzügige Aufweitung des Gewässers unter ökologischen Gesichtspunkten sinnvoll ist, um Hochwasser im Unterlauf in Hoffnungsthal zu unterbinden.

Wertvolle gut zu bewirtschaftende Grünflächen würden hier ebenso geopfert wie bei einem anderen Vorhaben in Fortführung des Overather Friedhofs Rappenhohn. Das stark hängige Gelände gerade in Richtung Aggertal ist geprägt von einer Reihe von Siefen, die unter Naturschutz stehen und aus RBN-Sicht in ihrem Bestand nicht beeinträchtigt geschweige denn geschädigt werden dürfen. Das aber ist der Fall, wenn die anstehenden Oberflächenwässer – wie so gerne gehandhabt – über eine Drosselung in den nächstbesten Siefen geleitet werden. Beide Vorhaben lehnt der RBN ab!


 

Auf die dramatischen Rückgänge an Vögeln und Insekten, selbst in Schutzgebieten, haben unsere Vorstandsmitglieder Thomas Stumpf als Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Bergischer Ornithologen (ABO)  sowie Hubert Sumser als Leiter unseres Arbeitskreises Botanik wiederholt hingewiesen. Jetzt weist der Vorsitzende des RBN Ruppichteroth, Heinz Schumacher, der auch stellvertretender Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälische Lepidopterologen ist, auf den gleichermaßen drastischen Rückgang der Artenvielfalt bei den Schmetterlingen hin. Die aktuelle Pressemitteilung finden Sie hier:

 

Pressemitteilung 1/2017                                10. Januar 2017

Arbeitsgemeinschaft

Rheinisch-Westfälischer

Lepidopterologen

 

Schmetterlingskundler weisen auf drastischen Rückgang unserer Insektenpopulationen hin

___________________________________________________________________________________________________________________________________

 

Düsseldorf – In einem offenen Brief an die Ministerpräsidentin und den Umweltminister des Landes Nordrhein-Westfalen hat die Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen auf den Rückgang der Insektenfauna in NRW hingewiesen. „ Als mit der Tierwelt unserer Heimat vertraute Schmetterlingskundler registrieren auch wir seit einigen Jahren mit Sorge einen auffälligen Rückgang von Schmetterlingen in NRW,“ sagt Dr. Wolfgang Vorbrüggen, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft. Vielleicht fällt es Autofahrern mit gutem Gedächtnis auf, wenn nach längerer Autobahnfahrt die Windschutzscheibe – im Gegensatz zu früheren Jahren – fast insektenfrei ist. Für aufmerksame Naturbeobachter wird dies auch am Ausbleiben des früheren Gewimmels und Gesummes von vielen Insekten auf blühenden Sträuchern im Frühjahr offensichtlich. Betroffen von dem „Insektensterben“ ist aber nicht nur Nordrhein-Westfalen. Die Anregung für den offenen Brief kam vom Freiburger Entomologischen Arbeitskreis, der diesen Brief an den Ministerpräsidenten des Landes Baden-Württemberg geschrieben hat.

 

Fehlende Insekten sind nicht nur ein Naturschutzproblem als fehlendes Futter für andere Tiere in der Nahrungskette, sondern haben auch wirtschaftlich eine immense Bedeutung: Als mittel- bis langfristige Folgen bei einem weitgehenden Ausfall der Blütenbestäuber würden sich für die Landwirtschaft enorme Einbußen ergeben, da in Europa etwa 80 % der Ernte von Bestäubern abhängig sind.

 

Dem Rückgang der Artenvielfalt in unserer Landschaft liegt ein ganzes Bündel Ursachen zugrunde (z.B. Landschaftsverbrauch, Monotonisierung und “Ausräumung” der Landschaft, Intensivierung der Land-und Forstwirtschaft, großflächiger Einsatz von Herbiziden, Stickstoffeinträge, Klimaveränderung und zunehmende Luft-und Lichtverschmutzung). Dieser Prozess läuft bereits seit vielen Jahren und ist am deutlichsten am Verschwinden der Vögel der Agrarlandschaft sichtbar (z.B. Kiebitz, Rebhuhn, Feldlerche). Der 2012 abrupt und vielerorts beobachtete starke Rückgang bei nahezu allen bestäubenden und vielen anderen Insektenarten steht aber offensichtlich in direktem Zusammenhang mit der Aussaat von Neonikotinoid-gebeiztem Maissaatgut. Daher nimmt die Arbeitsgemeinschaft die im Januar 2017 bevorstehende Prüfung der Wiederzulassung der drei Neonikotinoid-Insektizide Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam zum Anlass, an die Landesregierung zu appellieren, sich gegen die Wiederzulassung dieser Stoffe einzusetzen. Diese Insektizide gelten aus Sicht zahlreicher kompetenter Wissenschaftler als ein wesentlicher Grund für den derzeitigen alarmierenden, ja beängstigenden Rückgang vieler Insektenarten.

 

Der vollständige Text des offenen Briefes steht für Sie auf der Webseite der Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen zum Download bereit: http://www.ag-rh-w-lepidopterologen.de/


Der RBN hat sich intensiv mit dem Vorentwurf zum Flächennutzungsplan Bergisch Gladbach auseinander gesetzt. Hier finden Sie, was wir dazu zu sagen haben:

einfach anklicken und durchlesen!

rbn-fnp-anmerkungen-zur-endfassung

 


 Natur und Naturschutz heute

Gleichgewicht

In Flora und Fauna ist zu beobachten, dass Natur immer versucht, ein Gleichgewicht im Zusammenwirken der verschiedenen Lebewesen herzustellen. Auch wenn wir im Grunde über das Zusammenwirken der Lebewesen in ökologischen Systemen (Zönosen) noch nicht viel wissen, sind doch solche autonomen Regulierungen bei näherem Hinsehen offensichtlich. Das Auftreten von bestimmten Insekten in großer Masse z.B. löst eine starke Zunahme ihrer Gegenspieler im Ökosystem aus. Bei anderen Beispielen (z.B. Feldmäuse) wird ein Bestand nach starker Vermehrung neben der Begünstigung ihrer Fressfeinde auch durch Nachlassen der Vermehrungsfähigkeit in dichten Populationen reduziert. Es gibt viele solche Regulierungsabläufe und die komplexeren von ihnen sind in der Regel noch gar nicht erforscht.

Aufeinanderfolge

Ein weiterer regelhafter Ablauf, den jeder beobachten kann, ist die natürliche Aufeinanderfolge der Lebensgemeinschaften (Ökosysteme), am einfachsten bei den Pflanzen sichtbar. Schaffen wir irgendwo Rohboden, sehen wir, dass er schnell von Pionier-Flechten, -Moosen und -Pflanzen besiedelt wird, auch von höheren Tieren, deren Lebensraum das Offenland ist. Was wir nicht so gut sehen, ist die gleichzeitige Besiedlung mit Mikro-Fauna, -Flora und Pilzen, die derselben Lebensgemeinschaft angehören. Gemeinsam schaffen sie die Basis für Folge-Lebensgemeinschaften. So löst ein System das andere ab, bis am Ende der Wald mit seiner komplexen Lebenswelt diesen Raum solange besiedelt, bis er Naturereignissen oder Nutzern weicht.

Wanderung

In diesen Zusammenhängen, besonders auch im Zusammenhang mit Veränderungen des Klimas, ist die Zuwanderung von Lebewesen ein unverzichtbarer Bestandteil. So sind ein großer Teil der heute hier vorkommenden Lebewesen nach der Eiszeit und bis heute  immer wieder in unseren Raum zugezogen, der ja keine isolierte Insel ist, sondern so etwas wie ein Zentrum des asiatisch-europäisch-afrikanischen Kontinents, der immer noch  im Vergleich mit anderen Regionen ähnlicher klimatischer Bedingungen eine verarmte nacheiszeitliche Lebenswelt aufweist.

Mensch – Natur

Der Mensch war immer in das geschilderte System der Natur integriert. Viele Lebensräume sind erst durch menschliche Aktivität entstanden, die für viele neue Arten und Lebensgemeinschaften einen Raum geschaffen hat.

Aktuelle Veränderungen des menschlichen Handelns führen aber zu drastischen Einbrüchen in der Biodiversität unserer Natur:

Überdüngung

– Die überdimensionierte Nutzung des Luftstickstoffs als Dünger, der alle Lebensräume überflutet, lässt die Lebewesen, die an den von Natur aus kargen Stickstoffgehalt des Bodens angepasst waren, zu Grunde gehen. Auf jeden Hektar unseres Landes gehen jetzt  jährlich zwischen 25 und 80 kg Stickstoff nieder, unsere Gewässer transportieren Stickstofffluten. An unserer Flora kann man das gut erkennen, die gravierenden Auswirkungen im Bereich der Mikrolebewesen, die zu mehr oder minder „toten“ Böden führen, fallen uns nicht ins Auge.

Betrachtet man die Ursachen für ihr Auftreten, ist es absolut sinnlos, die Stickstoffreunde unter den Pflanzen zu bekämpfen. Man schafft damit keinen stickstoffreduzierten Raum, sondern beseitigt die Pflanzen, die noch in der Lage sind, Stickstoff aus Boden und Wasser herauszufiltern.

Vernichtung

– Der Einsatz hochwirksamer Pestizide führt heute in kürzester Zeit zu Rückgängen in der Artenvielfalt der Lebewesen (Biodiversität) von bis zu 80 % mit der Tendenz, viele Arten zum Erlöschen zu bringen. Aber alle diese Arten haben eine Funktion in den Lebensgemeinschaften (Ökosystemen). In der Folge werden viele Ökosysteme zusammenbrechen und die Folgen davon sind auch für uns Menschen noch nicht absehbar. Unüberlegt und mit unzureichendem Wissen zerstören wir nicht nur die Natur, sondern auch unsere eigenen Lebensgrundlagen.

Naturschutz

In den wenigen Bereichen, die durch Unterschutzstellung aus der intensiven Nutzung herausgenommen werden, greifen Naturschützer ein, um bedrohten Arten und Lebenssystemen einen kleinen Raum zum Überleben zu schaffen. Früher schuf die Landwirtschaft die Offenlandschaft. Heute tut sie das auch, aber in einer Art und Weise, die  für viele Arten und ihre Lebensgemeinschaften tödlich ist.

Eine Hauptaufgabe des Naturschutzes war es immer und bleibt es, den „Landschaftsverbrauch“ aufzuhalten. Heute ist es aber leider damit nicht mehr getan, denn der „Naturverbrauch“ durch die Landwirtschaft hat größte Dimensionen angenommen.

Naturschützern, die noch einiges erhalten wollen, bleibt nichts anderes übrig, als die frühere Bewirtschaftung aufwendig nachzuahmen. Es wird gemäht und beweidet, um den überall niedergehenden Stickstoff wieder zu entziehen. Die Sukzession wird aufgehalten, um ein Biotop in einem bestimmten für bedrohte Arten notwendigen Zustand zu erhalten (z.B. Magerwiese, Trockenrasen usw.), d.h. es werden alle aufkommenden Gehölze und Hochstauden entfernt, ob sie nun vor langer oder noch nicht so langer Zeit zugewandert sind. Für manche Arten ist es auch notwendig immer wieder Rohböden zu schaffen.

Das alles macht aber nur Sinn in Gebieten und auf Flächen, die der zerstörerischen Stickstoff- und Pestizid-Flut entzogen werden können. Wenn man z.B. das Ufer eines stickstoffüberfrachteten Wasserlaufs von Springkraut rodet, schafft man nur Platz für andere Stickstoffzehrer, wie Brennnessel oder Brombeere.  Die Arten früherer stickstoffarmer Epochen wird man nicht zurückholen, es sei denn, es gelänge, den Zufluss von Stickstoff aus der Landwirtschaftsfläche zu verhindern. Das würde die Stickstoffzehrer allerdings auch ohne Eingriff reduzieren.

Zur aktuellen Diskussion

Nun zum Thema Gewässer am Beispiel der Sülz. Auch die Gewässer sind Ökosysteme mit umfassenden Zusammenhängen, in denen die Kleinstlebewesen eine überragende Rolle spielen. Durch Verbauungen, Stauungen, Flussbettbefestigungen und Einleitungen wurden unsere Flüsse drastisch verändert und biologisch verarmt. Die Sülz ist in unserem Kreisgebiet der Fluss mit der noch intaktesten Lebenswelt, obwohl es der einzige Fluss ist, der nicht unter Naturschutz steht. An vielen Stellen ist er verbaut, Stauwerke führen zu tiefen sauerstoffarmen Schlammansammlungen. Der Fischbestand ist am leichtesten zu erkennen, die Mikrowelt des Flusses sieht man nicht ohne weiteres. Es gibt noch Äschen-Bestände, nur hier gibt es selbstständige Vermehrung von Lachsen, der Fischbestand ist noch artenreich mit vielen Kleinfischen. Wenn der Aggerverband die vielen detaillierten Pläne zur Renaturierung des Flusses auch umsetzen würde, könnte er in einen hervorragenden Zustand kommen, weil an einigen Stellen noch gute Lebenselemente existieren, die auch auf eine relativ intakte Mikrowelt schließen lassen. Wichtig wäre aber die Bewirtschaftung der Talwiesen zu extensivieren und den Ackerbau, der keinen großen Umfang einnimmt, vollständig aus dem Tal zu nehmen. Würde man auch noch das Aussetzen von jungen Raubfischen in großer Zahl verhindern, käme es zu einem ausgewogenen Ökosystem, in dem auch Reiher und Kormoran in der Anzahl existieren würden, wie es der Fischbestand zulässt, den sie im Gleichgewicht halten würden. Es könnte am Ende ein Fluss werden, der wirklich FFH-würdig wäre.

Diese Darstellung mit wenigen Beispielen soll zeigen, dass und warum wir es auf keinen Fall als eine Aufgabe des Naturschutzes betrachten, die Natur in „zu erhaltende“ und „vernichtende“ Arten einzuteilen.

Hubert Sumser, RBN-Vorstandsmitglied, AK Botanik


Ginsterfeld …

Impression Ginsterfeld

Impression Ginsterfeld

… heißt ein Gebiet oberhalb des Aggertals in Overath, das die Stadt als weiteres Gewerbegebiet ausweisen will – und damit nach Meinung des Bergischen Naturschutzvereins endgültig den „Sündenfall“ begeht. Warum: Weil damit die typischen bergischen Hochflächen, die einen Blick gestatten über die Täler hinweg auf die nächsten Höhen, als prägende Elemente der Kulturlandschaft unwiederbringlich geopfert werden. Eine Landschaft, die sich als Bergisches Wanderland anpreist, eine Landschaft, die auf den Höhen beste landwirtschaftlich nutzbare Böden hat und die schlichtweg ein Markenzeichen ist, wird zugunsten unsicherer Gewerbesteuereinnahmen umgewidmet und ihrer Bedeutung beraubt. Der RBN hat dagegen heftig protestiert und zusammen mit anderen nur erreichen können, dass die Fläche um ein gutes Drittel reduziert wurde. Nichts als Kosmetik! Alles zu streichen, wäre der richtige Weg!

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